Geschichte

Im Folgenden findet sich die Niederschrift der Idee des ASG Fellowships, als diese 1975 der DGOT von Herrn Henkel vorgetragen wurde.

Nach jahrelanger Isolation der Deutschen Orthopädie war der Verfasser, glücklicher Empfänger eines 1-jährigen nordamerikanischen Fulbright-Reisestipendiums, als junger Facharzt 1954/55 stark beeindruckt von den Leistungen der führenden anglo-amerikanischen Orthopädie, die bei uns damals noch wenig bekannt und anerkannt waren. Um so mehr spürte er das Bedürfnis, ja die Notwendigkeit, das Erlebnis einer ähnlichen Rundreise möglichst vielen jungen Fachkollegen zu vermitteln, nicht zuletzt, um die dortigen organisatorischen Formen und Arbeitsweisen kennen zu lernen und auf unsere Verhältnisse zu übertragen, soweit sich das als zweckmäßig erweisen sollte. Die Zeit war aber noch nicht reif.

Zwar genossen in der DGOT auch unter der Präsidentschaft des Autors 20 Jahre später, 1974 bis 1975, berufspolitische Themen, wie das Verhältnis zur Traumatologie, Kinderchirurgie, Röntgenologie, Rheumatologie, Chirotherapie usw. als „Dauerbrenner“ Priorität; es gelang jedoch Ende 1974 einen Grundsatzbeschluss des Vorstandes der DGOT zu erwirken, dem Projekt eines anglo-amerikanischen Reise-Stipendiums der drei deutschsprachigen Länder Österreich, Schweiz und der Bundesrepublik näher zu treten. Dieses sollte dem angesehenen ABC Travelling Fellowship (Amerika, Britannien, Canada, später auch weitere Commonwealth-Länder) nachempfun­den werden. Die entsprechende Kommission bestand aus den Herrn ENDLER, Wien, und MORSCHER, Basel, als Vertreter ihrer Fachgesellschaften, ferner L. HENKEL, früher Tübingen (der die englischen Verhältnisse, zumal als Mitglied der Gridlestone-Society, kannte), als Sekretär, und dem Verfasser als Vorsitzenden.

Die von Herrn HENKEL, dem Vorstand der DGOT am 3.5.1975 in Baden-Baden unterbreiteten und akzeptierten Vorstellungen lauteten wie folgt: „In einem Schreiben an die Präsidenten der österreichischen und schweizerischen orthopädischen Gesellschaften, Herrn Prof. ENDLER und Herrn Prof. MORSCHER, vom 11.12.74 hat der Präsident der GDOT die Errichtung eines Reisestipendiums der DGOT angeregt.

Ziel des Stipendiums soll sein, ausgewählten jüngeren Fachkollegen die Möglichkeit zu geben, durch den Besuch hervorragender Kliniken des Auslandes ihren fachlichen Horizont zu erweitern und persönliche Kontakte zu ausländischen Kollegen anzuknüpfen.

In einer Vorbesprechung zwischen den Herren Prof. H. MAU, Prof. F. ENDLER, Prof. E. MORSCHER und dem Vortragenden wurden folgende Grundzüge des geplanten Stipendiums erarbeitet, welche am Folgetage dem Vorstand der DGOT vorgelegt wurden:

  1. Träger des Stipendiums sollen die Deutsche, Österreichische und Schweizerische Orthopädische Gesellschaft sein.
  2. Das Stipendium soll, wenn möglich, jährlich ausgeschrieben werden.
  3. Eine aus Mitgliedern der 3 beteiligten Gesellschaften zu bildende Kommission soll aus dem Kreis der Bewerber geeignete Stipendiaten auswählen.
  4. Voraussetzung für die Auswahl sollen die Facharztanerkennung in der Orthopädie, der Nachweis wissenschaftlicher Beiträge und die erforderlichen Sprachkenntnisse sein.
    Darüber hinaus sollen die Bewerber über ausreichende Kenntnisse der Fachliteratur und der Arbeitsgebiete der zu besuchenden Länder und Kliniken verfügen.
  5. Ein kurzer Einführungskurs soll die Stipendiaten auf die Reise vorbereiten.
  6. Die Reisestipendiaten sollen als Vierergruppe auftreten, die sich möglichst aus 2 deutschen, einem österreichischen und einem Schweizer Kollegen zusammensetzt.
  7. Die Reiseroute und die dabei zu besuchenden Einrichtungen werden von der Kommission festgelegt und können dabei die Interessen der Stipendiaten berücksichtigen. Für die Gestaltung des Programms soll die Hilfe von Fachkollegen des Gastlandes in Anspruch genommen werden, die persönliche Bindungen zu Mitgliedern der beteiligten Gesellschaften oder der Kommission haben. Dadurch soll – besser als durch eine offizielle Planung durch die Gesellschaft der Gastländer – eine enge Betreuung ermöglicht werden. Zu gegebener Zeit sollen die orthopädischen Gesellschaften der zu besuchenden Länder von dem Vorhaben unterrichtet werden.
  8. Die Stipendiaten sollen in der Lage sein, eigene oder Ergebnisse ihrer Kliniken an den zu besuchenden Kliniken des Gastlandes vorzutragen. Dadurch soll an Stelle einer nur passiven Aufnahme von Eindrücken ein Austausch von Kenntnissen gepflegt werden.
  9. Die Planung der Reise soll den Besuch eines größeren Kongresses des Gastlandes oder der Gastländer ermöglichen.
  10. Die Dauer der Reise soll ca. 6 Wochen betragen.
  11. Die ungefähren Kosten für eine Kollegen und eine 6-wöchige Reise werden auf ca. 4 000 bis 6 000 € geschätzt.
  12. Als erste zu besuchende Länder wurden England und die USA ins Auge gefasst.
    Die Kosten sollen getragen werden:
    a)  durch eine zumutbare Selbstbeteiligung der Stipdendiaten,
    b)  durch Beiträge der das Stipendium tragenden Gesellschaften nach Maßgabe ihrer finanziellen Leistungskraft,
    c)  in der Hauptsache durch Spenden der Industrie, wobei insbesondere an international tätige Instrumenten- und Implantathersteller gedacht worden ist.

In der ersten Stufe der Realisierung des Reisestipendiums ist folgendes Vorgehen geplant:

  1. Es soll die Billigung des geplanten Reisestipendiums durch die maßgebenden Gremien der beteiligten Gesellschaften eingeholt werden;
  2. die an der Vorbesprechung beteiligten Herren werden an geeignete Firmen herantreten, um eine Finanzierung zu sichern.

Priv. Doz. Dr. HENKEL
Chefarzt der Orthopäd. Klinik Lindenlohe